ADHS bei Erwachsenen: Zwischen TikTok-Hype und echter Diagnose und wie Psychotherapie wirklich hilft

„Ich hab mein Handy gesucht, während ich damit telefoniert habe. Klassisches ADHS!“

Wenn du auf TikTok unterwegs bist, kennst du solche Clips wahrscheinlich zur Genüge. Unter Hashtags wie #ADHS sammeln sich Millionen Aufrufe, und irgendwann beschleicht dich das Gefühl, halb TikTok befinde sich gerade in ADHS-Therapie. Tausende nicken unter jedem Video: „Same here, hab ich wohl auch!“ Der Eindruck: ADHS ist plötzlich überall.

Person steht vor einem unordentlichen Kleiderschrank – Schwierigkeiten mit Organisation und Alltagsstruktur bei ADHS.

Die Wahrheit ist, wie so oft, komplizierter und gleichzeitig viel spannender als der Hype. Denn ADHS ist echt, es ist bei Erwachsenen weit verbreitet, und es wird trotzdem massiv übersehen. Gleichzeitig kursieren so viele Halbwahrheiten darüber, dass Betroffene oft weder ernst genommen werden noch die richtige Hilfe finden.

Doch was ist wirklich dran, wenn Creator in dreißig Sekunden Symptome aufzählen und gleich die passende Selbstdiagnose mitliefern?

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die Wissenschaft über ADHS bei Erwachsenen wirklich sagt, räumen mit den häufigsten Mythen auf, und erklären, wie du erste Anzeichen bei dir erkennst. Vor allem aber geht es darum, wie Psychotherapie und manchmal etwas mehr, tatsächlich helfen kann.

Spoiler vorweg: Eine TikTok-Selbstdiagnose ersetzt keine echte Abklärung. Aber für viele Menschen ist so ein Video der erste Anstoß, endlich genauer hinzuschauen. Und das ist gar nicht so schlecht.

ADHS ist keine Modeerscheinung

Lange galt ADHS als reine Kinderdiagnose. Man dachte an den „Zappelphilipp“, der nicht stillsitzen kann und irgendwann von selbst aus dem Gröbsten herauswächst.

Diese Vorstellung hält sich hartnäckig und sie ist falsch.

Heute weiß man, dass bei 40 bis 60 % der betroffenen Kinder wesentliche Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben, wie das österreichische Gesundheitsportal festhält. Bei etwa einem Drittel bleibt sogar das komplette Vollbild der Störung erhalten.

ADHS verschwindet also nicht mit dem sechzehnten Geburtstag, es verändert nur sein Gesicht.

Wie viele Erwachsene sind betroffen?

Der derzeit belastbarste weltweite Schätzwert liegt bei rund drei Prozent, eine große Übersichtsarbeit (Ayano et al., 2023) wertete dafür Daten von über 21 Millionen Menschen aus. Für Österreich werden meist zweieinhalb bis fünf Prozent genannt.

Hochgerechnet heißt das: Potenziell sind rund 250.000 Menschen in Österreich betroffen.

Und ein großer Teil davon lebt ohne Diagnose, oft mit dem diffusen Gefühl, dass das Leben für sie irgendwie anstrengender läuft als für andere, ohne je den Grund dafür benennen zu können.

Kein Wunder also, dass die Diagnosezahlen steigen.

In Österreich hat sich laut ÖGK die Zahl der über 20-Jährigen mit ADHS-Medikation in nur zehn Jahren vervierfacht. Über alle Altersgruppen hinweg kletterte die Zahl der Versicherten mit entsprechender Medikation von knapp 8.300 im Jahr 2013 auf fast 22.000 im Jahr 2023.

Junger Mensch wirkt erschöpft – Konzentrationsprobleme, emotionale Belastung und ADHS-Symptome.

Bedeutet das nun, ADHS sei plötzlich „in Mode“ gekommen? Nein. Dieser Anstieg erklärt sich dadurch, dass wir heute besser aufklären und jahrelang übersehene Fälle endlich erkennen. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied, den wir uns gleich noch genauer ansehen.

Was die Forschung wirklich sagt

Man könnte meinen, eine so viel diskutierte Diagnose sei wissenschaftlich umstritten.

Das Gegenteil ist der Fall:

ADHS gehört zu den am besten erforschten psychischen Störungen überhaupt und zu den am stärksten genetisch bedingten.

Die Erblichkeit liegt bei rund 74 %, wie eine Auswertung von 37 Zwillingsstudien zeigte (Faraone & Larsson, 2019). Um das einzuordnen: Das ist eine der höchsten Erblichkeit in der gesamten Psychiatrie. ADHS ist damit kein Erziehungsfehler, kein Zuckerproblem und ganz sicher kein Charakterdefizit. Es ist tief in der Neurobiologie verankert.

Wer also behauptet, ADHS sei „nur eine Ausrede“, ignoriert schlicht Jahrzehnte an Forschung.

Ein Punkt macht die Diagnose bei Erwachsenen allerdings besonders knifflig: Bis zu 80 % der betroffenen Erwachsenen haben mindestens eine weitere psychische Belastung, wie ein systematisches Review von 2022 zeigte, am häufigsten Depression, Angststörungen oder Suchterkrankungen.

Das führt oft zu einem folgenschweren Missverständnis: Die Depression wird erkannt und behandelt, die eigentliche Ursache dahinter, das unbehandelte ADHS, bleibt jedoch unentdeckt.

Betroffene wundern sich dann, warum ihnen die Therapie gegen die Depression zwar hilft, das grundlegende Gefühl von Chaos und Überforderung aber bleibt.

Person sitzt nachdenklich am Boden – emotionale Überforderung, Reizüberflutung und ADHS bei Erwachsenen.

Auch die österreichische Fachgesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie lässt keinen Zweifel: ADHS ist eine klar definierte und wissenschaftlich gesicherte Diagnose und die Behandlung ist, verglichen mit vielen anderen psychiatrischen Therapien, ausgesprochen wirksam.

Warum Frauen so oft durchs Raster fallen

Hier wird es besonders spannend und ehrlich gesagt auch ein bisschen ärgerlich.

In der Kindheit werden Buben etwa dreimal so häufig mit ADHS diagnostiziert wie Mädchen. Im Erwachsenenalter aber nähert sich dieses Verhältnis fast einem Verhältnis von eins zu eins an. Das heißt nicht etwa, dass Männer mit dem Alter „geheilt“ werden.

Es heißt, dass Mädchen und Frauen jahrelang schlicht übersehen werden.

Der Grund liegt darin, wie sich ADHS bei Frauen häufig zeigt. Statt der auffälligen äußeren Hyperaktivität dominiert bei ihnen oft der unaufmerksame Typ, also Tagträumen, innere Unruhe und ständiges Gedankenkreisen, das von außen kaum sichtbar ist.

Viele Frauen internalisieren ihre Schwierigkeiten, entwickeln Selbstzweifel, Angst oder Erschöpfung, und betreiben über Jahre ein aufreibendes „Masking“: Sie kompensieren ihre Symptome mit Perfektionismus und Überanpassung, bis irgendwann nichts mehr geht.

Wie groß dieser blinde Fleck ist, zeigte eine schwedische Registerstudie mit über 85.000 Personen (Skoglund et al., 2024):

Frauen erhalten ihre ADHS-Diagnose im Schnitt erst mit 23,5 Jahren, Männer hingegen bereits mit 19,6 Jahren, also rund vier Jahre früher. Viele Frauen bekommen ihre Diagnose sogar erst dann, wenn bei ihrem eigenen Kind ADHS festgestellt wird und sie plötzlich vieles bei sich selbst wiedererkennen.

Wenn du dich also seit Jahren fragst, warum „das Leben“ für dich mühsamer scheint als für andere in deinem Umfeld, lohnt sich vielleicht ein genauerer Blick.

Junge Frau mit Maske als Symbol für Masking bei ADHS und dem Verbergen von Symptomen im Alltag.

Masking bezeichnet das bewusste oder unbewusste Verbergen von ADHS-Symptomen, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Besonders Frauen mit ADHS entwickeln diese Strategie früh, um nicht aufzufallen, Konflikte zu vermeiden oder in der Schule und am Arbeitsplatz zu funktionieren.

Die größten ADHS-Mythen und was wirklich stimmt

Rund um ADHS ranken sich fast so viele Mythen wie TikTok-Videos. Schauen wir uns die häufigsten an und was Wissenschaft und Praxis ihnen entgegensetzen.

Mythos 1:

„ADHS gibt es bei Erwachsenen gar nicht.“

Das ist schlicht falsch.

Bei 40 bis 60 % der Betroffenen bleiben die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen. Dass ADHS erst im Erwachsenenalter neu ausbricht, ist zwar selten, aber das bedeutet nur, dass die allermeisten Betroffenen es bereits als Kind hatten, ohne dass es damals erkannt wurde.

Mythos 2:

„ADHS ist doch nur Zappeligkeit.“

Auch das greift viel zu kurz. Es gibt drei Erscheinungsbilder:

den überwiegend unaufmerksamen Typ, den überwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ und die Mischform.

Bei Erwachsenen verwandelt sich die äußere Zappeligkeit oft in eine innere Unruhe, ein ständiges Getriebensein. Ein zentrales, aber häufig übersehenes Merkmal ist zudem die emotionale Dysregulation, also heftige Stimmungsschwankungen und eine geringe Frustrationstoleranz.

Mythos 3:

„ADHS bedeutet, man ist faul oder undiszipliniert.“

Dieser Mythos ist nicht nur falsch, sondern auch stigmatisierend.

ADHS ist eine neurobiologische Störung mit einer veränderten Regulation der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Das Gehirn arbeitet also anders, nicht schlechter. Viele Betroffene bringen sogar besondere Stärken mit: Kreativität, die Fähigkeit zum Hyperfokus und ein schnelles Problemlösen unter Druck.

Mythos 4:

„Das ist doch nur ein TikTok-Trend.“

Bei einer Erblichkeit von 74 % ist ADHS eine der am stärksten genetisch bedingten psychischen Störungen überhaupt, von einem Trend also weit entfernt.

Der Anstieg der Diagnosen kommt daher, dass übersehene Fälle nachgeholt werden, nicht von einem Social-Media-Hype. Trotzdem gilt umgekehrt genauso: Nicht jede Verpeiltheit und jedes Konzentrationsloch ist gleich ADHS.

Mythos 5:

„Medikamente reichen doch aus.“

Das stimmt nur zur Hälfte.

Medikamente wirken stark auf die Kernsymptome, das ist gut belegt. Aber die bislang größte Metaanalyse zum Thema (Lancet Psychiatry, 2025) zeigte auch, dass Medikamente die Lebensqualität nicht automatisch verbessern.

Der Goldstandard ist deshalb eine multimodale Behandlung, also die Kombination aus Medikation, Psychotherapie und Psychoedukation.

Und was ist nun mit TikTok selbst?

Eine Studie von 2025 ließ die hundert meistgesehenen ADHS-Videos, zusammen fast eine halbe Milliarde Aufrufe, von zwei klinischen Psycholog:innen bewerten.

Das ernüchternde Ergebnis:

Nur knapp die Hälfte der Behauptungen entsprach tatsächlich einem echten ADHS-Symptom. Ein Großteil beschrieb schlicht ganz normales menschliches Erleben.

Älterer Mann nimmt ein Video auf – ADHS im Erwachsenenalter und soziale Medien als Herausforderung oder Ausdruck.

Eine deutsche Untersuchung stufte sogar über die Hälfte der ADHS-TikToks als irreführend ein. TikTok kann ein wertvoller Anstoß sein, sich mit dem Thema zu beschäftigen, eine Diagnose ist es niemals.

Wie erkennst du ADHS bei dir selbst?

ADHS bei Erwachsenen sieht anders aus als das gängige Klischee vom hyperaktiven Kind.

Die Anzeichen zeigen sich meist in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig.

Da wäre zunächst die Aufmerksamkeit:

häufiges Abschweifen, Vergesslichkeit im Alltag, das Phänomen, Aufgaben voller Elan zu beginnen und dann doch nicht zu beenden, oder denselben Absatz dreimal lesen zu müssen, weil die Gedanken abwandern.

Dazu kommt oft eine ausgeprägte Impulsivität, vorschnelle Entscheidungen, das Unterbrechen anderer mitten im Satz, eine gewisse Ungeduld und manchmal auch impulsive Käufe, die man später bereut.

Ein häufig unterschätzter Bereich ist die emotionale Dysregulation: starke Stimmungsschwankungen, schnelle Reizbarkeit und eine geringe Toleranz gegenüber Stress. Und schließlich das Gefühl innerer Unruhe und ständigen Chaos’, das Empfinden, dauernd „unter Strom“ zu stehen und trotz aller guten Vorsätze nie so richtig Ordnung und Struktur in den Alltag zu bekommen.

Ein etabliertes Selbst-Screening ist der ASRS-v1.1 der Weltgesundheitsorganisation, ein kurzer Fragebogen mit sechs Kernfragen, den man frei im Internet findet. (z.B. unter https://www.adhs.info/fileadmin/redakteure/zentrales-adhs-netz/ASRS_1.1._ADHS.pdf)

ABER und das ist wirklich wichtig:

ein solcher Selbsttest ist immer nur eine erste Orientierung, niemals eine Diagnose.

Eine echte Diagnose erfordert ein ausführliches klinisches Gespräch, die Erhebung der Kindheitsgeschichte und den Ausschluss anderer möglicher Ursachen wie etwa einer Schilddrüsenunterfunktion, Schlafproblemen oder einer Depression.

Psychotherapeutisches Gespräch mit Notizen – Diagnostik und Psychotherapie bei ADHS im Erwachsenenalter.Psychotherapeutisches Gespräch mit Notizen – Diagnostik und Psychotherapie bei ADHS im Erwachsenenalter.

Warum dieser Aufwand? Weil viele ADHS-Symptome auch bei anderen Belastungen auftreten können und weil du eine sorgfältige Abklärung verdienst und keine Schnelldiagnose per Hashtag.

Welche Therapie hilft wirklich?

Kommen wir zur guten Nachricht, und die ist wirklich gut:

ADHS ist ausgesprochen gut behandelbar.

Der Goldstandard ist eine sogenannte multimodale Behandlung, also die Kombination mehrerer Bausteine, die individuell auf dich abgestimmt werden. Es gibt eben nicht die eine Lösung, sondern eine Mischung, die passt.

Ein wichtiger Baustein sind häufig Medikamente. Die umfassendste Netzwerk-Metaanalyse dazu (Ostinelli et al., Lancet Psychiatry 2025), die 113 Studien mit fast 15.000 Erwachsenen ausgewertet hat, zeigte, dass Stimulanzien wie Methylphenidat und Lisdexamfetamin sowie der Wirkstoff Atomoxetin die Kernsymptome kurzfristig am stärksten reduzieren.

Die Ansprechraten liegen bei rund 70 %.

Ehrlich eingeordnet heißt das aber auch: Medikamente sind kein Alleinlöser.

Sie schaffen oft erst die Grundlage, auf der andere Veränderungen überhaupt möglich werden.

Genau hier kommt die Psychotherapie ins Spiel, und unter den Verfahren hat die kognitive Verhaltenstherapie die stärkste wissenschaftliche Grundlage bei ADHS.

Sie ist herrlich alltagsbezogen: Es geht um Zeitmanagement, um das Strukturieren von Aufgaben, um Impulskontrolle und um den Umgang mit diesen fiesen, tief eingeschliffenen Denkmustern wie „Ich bin eben einfach faul“ oder „Ich krieg sowieso nichts auf die Reihe“.

Metaanalysen zeigen, dass die Verhaltenstherapie nicht nur die Kernsymptome verbessert, sondern auch begleitende Depressionen und Ängste lindert und den oft angeschlagenen Selbstwert wieder aufbaut.

Besonders wirkungsvoll ist die Kombination aus beidem.

Ergänzend bietet die Dialektisch-Behaviorale Therapie wirkungsvolle Werkzeuge speziell für die emotionale Dysregulation, eines der am meisten unterschätzten ADHS-Themen bei Erwachsenen.

Und auch die Psychoedukation, also schlicht zu verstehen, wie das eigene Gehirn funktioniert, ist oft schon die halbe Miete. Ein ADHS-Coaching kann im Alltag zusätzlich praktisch unterstützen, ersetzt aber keine Psychotherapie, und seine wissenschaftliche Evidenz ist bislang noch dünn.

Hand mit Medikamenten zur Behandlung von ADHS – medikamentöse Therapie als mögliche Unterstützung.

Studien zeigen, dass Verhaltenstherapie und Medikation gemeinsam kurzfristig wirksamer sind als das Medikament allein. Das ergibt Sinn: Das Medikament hilft, sich überhaupt fokussieren zu können, während die Therapie diese neu gewonnene Fähigkeit in echte, tragfähige Alltagsstrukturen übersetzt.

Wie du in Wien zu einer ADHS-Diagnose kommst

So gut ADHS behandelbar ist, der Weg zur Diagnose kann in Österreich leider ganz schön frustrierend sein.

Die größte Hürde sind die langen Wartezeiten. Auf kostenlose Diagnostik und Therapie wartet man in manchen Bundesländern über ein Jahr, weil die Nachfrage die vorhandenen Kapazitäten deutlich übersteigt. Dazu kommt, dass kassenfinanzierte Therapieplätze rar sind. Wer keinen davon ergattert, muss oft auf Wahltherapeut:innen ausweichen, bei denen nur ein Teil der Kosten rückerstattet wird und eine private Diagnostik kann durchaus mehrere hundert Euro kosten.

Das alles klingt entmutigend, muss es aber nicht sein!

Wer frühzeitig Termine vereinbart und weiß, wo und wonach man suchen muss, kommt oft deutlich schneller ans Ziel als gedacht.

Deshalb hier ein paar ganz konkrete Anlaufstellen für eine ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter in Wien, viele davon bequem online buchbar:

Institut für psychologische Diagnostik (Mag.a Dr. Karin Flenreiss-Frankl, 1080 Wien):

spezialisierte klinisch-psychologische ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter mit ausführlichen Testbatterien, auch als Online-Diagnostik möglich (psycho-diagnostik.at).

ADHS Praxis Wien:

das erste klinisch-psychologische Zentrum in Wien, das sich auf ADHS- und ADS-Diagnostik bei Erwachsenen spezialisiert hat. Termine sind online buchbar (bei Psycholog:in oder Psychiater:in), Ablauf mit Online-Fragebogen und Testung vor Ort (adhs-praxis.at).

Mag.a Antonia Sperker:

klinisch-psychologische Diagnostik für Erwachsene in Wien und online, mit besonderem Schwerpunkt auf ADHS und Autismus und explizit auf Frauen, bei denen ADHS oft lange unerkannt bleibt (antoniasperker.at).

Mag.a Elisabeth Urban:

klinisch-psychologische Diagnostik für Erwachsene mit Schwerpunkt ADHS, Online-Terminvereinbarung möglich (diagnostik-wien.at).

Die Wiener Praxis:

ein größeres Team für klinisch-psychologische Diagnostik bei ADHS, Depression und mehr, mit Terminvereinbarung über die Website (diewienerpraxis.at).

AKH Wien Spezialambulanz für ADHS im Erwachsenenalter:

an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie gibt es eine eigene Ambulanz für Erwachsene mit ADHS. Die Nachfrage ist groß und die Wartezeiten entsprechend länger, aber es ist eine wichtige öffentliche Anlaufstelle.

Und was zahlt die Krankenkasse?

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist in Österreich über bundesweite Kassenverträge grundsätzlich eine Leistung der Krankenkasse, bei Vertragspsycholog:innen (auch „Kassenpsycholog:innen“ genannt) wird die Diagnostik übernommen, allerdings sind dort die Wartezeiten oft länger.

Bei Wahlpsycholog:innen bekommst du in der Regel schneller einen Termin, erhältst aber nur einen Teil der Kosten rückerstattet. Und eine wichtige Neuerung: Seit Frühjahr 2026 ist auch die klinisch-psychologische Behandlung erstmals eine vollfinanzierte Kassenleistung (nicht mehr nur ein Zuschuss).

Der Zugang läuft über eine zentrale Servicestelle des Berufsverbands BÖP, erreichbar unter 0800 10 02 03, die dich an Psycholog:innen in Wohnortnähe vermittelt. Wie viele Diagnostik-Einheiten dir konkret zustehen und ob eine ärztliche Überweisung nötig ist, klärst du am besten direkt mit deiner Krankenkasse (ÖGK, SVS oder BVAEB), die Regelungen ändern sich gerade laufend.

Extra-Tipp für Studierende:

Wenn du an einer Uni studierst, hast du mit einer ADHS-Diagnose Anspruch auf sogenannte abweichende Prüfungsmethoden, also einen Nachteilsausgleich.

An der Universität Wien ist dafür das „Team Barrierefrei“ zuständig (barrierefrei@univie.ac.at). Konkret kannst du damit zum Beispiel eine Verlängerung der Prüfungszeit bei schriftlichen Prüfungen, den Wechsel von einer schriftlichen zu einer mündlichen Prüfung (oder umgekehrt) oder die Nutzung eines Laptops beantragen.

Der Ablauf: Du brauchst einen fachärztlichen oder klinisch-psychologischen Nachweis deiner studienrelevanten Beeinträchtigung, vereinbarst ein Informationsgespräch mit dem Team Barrierefrei und reichst dann das Antragsformular bei deiner Studienprogrammleitung ein, wo die Entscheidung fällt.

Frau arbeitet konzentriert am Laptop – Herausforderungen und Hyperfokus bei ADHS im Erwachsenenalter.

Wichtig und beruhigend: Du musst dabei weder deine Diagnose offenlegen noch deinen Krankheitsverlauf erklären, es reicht, die konkrete Funktionsbeeinträchtigung anzugeben (etwa Schwierigkeiten beim Konzentrieren). Kontaktier die Stelle am besten so früh wie möglich im Semester.

So hilft dir findmetherapy raus aus dem ADHS-Dschungel

Vielleicht hast du dich beim Lesen in manchem wiedererkannt.

Das heißt nicht automatisch, dass du ADHS hast, aber es heißt eben auch nicht, dass du damit allein klarkommen musst. Hab keine Angst vor einem „falschen Alarm“: Fachleute nehmen dich ernst, selbst wenn am Ende gar keine Diagnose steht. Und falls doch eine dabei herauskommt, ist es umso besser, dass du es endlich hast abklären lassen.

Das eigentliche Problem ist nämlich meist gar nicht, dass es keine passenden Therapeut:innen gäbe, sondern sie überhaupt zu finden.

Genau dafür gibt es findmetherapy.

Bei uns durchsucht kein anonymer Algorithmus eine Datenbank, sondern echte Menschen schauen sich deine Angaben an und suchen gezielt nach Therapeut:innen, die fachlich und menschlich zu dir passen, zum Beispiel mit Erfahrung in der ADHS-Diagnostik und -Behandlung bei Erwachsenen.

Und so einfach geht das:

Du füllst online einen kurzen, auf Wunsch anonymen Fragebogen aus: Was beschäftigt dich? Wann hättest du Zeit für Termine? Möchtest du lieber online oder in einer Praxis? Wir übernehmen dann die Vorauswahl und melden uns mit einer passenden Empfehlung zurück.

Hier kannst du dich anmelden und wir finden einen passenden Therapieplatz für dich.

Die Anmeldung ist auf deinen Wunsch auch anonym möglich. Es entstehen für dich keine Kosten und du kannst dich jederzeit von findmetherapy abmelden.

Kein Bürokratiedschungel, keine zehn Absagen am Telefon, kein monatelanges Warten ins Ungewisse. Wenn du außerdem regelmäßig fundierte Infos rund um psychische Gesundheit bekommen möchtest, abonnier gern unseren Newsletter, dann bleibst du immer up to date.

Wenn dich das Thema Selbstdiagnose und Social Media interessiert, schau dir auch unseren Beitrag Wenn TikTok & co. zur Therapiecouch wird an ,dort gehen wir noch tiefer darauf ein, warum so viele Mental-Health-Trends in die Irre führen und wie du seriöse Infos von gefährlichen Halbwahrheiten unterscheidest.

Und falls dich beim Lesen vor allem die Frage beschäftigt, wie du überhaupt an einen Termin kommst, hilft dir unser Artikel Therapieplatz Wien finden – warum es schwer ist & was hilft weiter, in dem wir alle Wege von Kassenplatz bis Sozialtarif erklären.

Und falls du dich gerade in einer akuten Krise befindest, wenn gar nichts mehr geht oder du an Suizid denkst, wende dich bitte sofort an Hilfe. In Österreich erreichst du rund um die Uhr anonym die Telefonseelsorge unter 142 oder den Psychosozialen Notdienst (für Wien) unter 01/31330. Im Notfall zögere nicht, den Notruf 112 zu wählen. Du bist nicht allein, und es gibt Menschen, die jetzt für dich da sind.

Deine mentale Gesundheit ist kein Trend, sondern ein Teil von dir, der Fürsorge und fachkundige Unterstützung verdient. Wenn du bereit bist, genauer hinzuschauen, begleiten wir dich vom ersten Schritt an. Bleib skeptisch gegenüber schnellen TikTok-Diagnosen, aber bleib offen für echte Hilfe. Gemeinsam schaffen wir das.

Quellenverzeichnis:

Ayano, G. et al. (2023). Umbrella review of the global prevalence of adult ADHD. Psychiatry Research.

Faraone, S. V. & Larsson, H. (2019). Genetics of attention deficit hyperactivity disorder. Molecular Psychiatry, 24, 562–575.

Skoglund, C. et al. (2024). Time after time: failure to identify and support females with ADHD. Journal of Child Psychology and Psychiatry.

Choi, W.‑S. et al. (2022). Comorbidities in adult ADHD: a systematic review. PLOS ONE.

Ostinelli, E. G. et al. (2025). Comparative efficacy of interventions for adult ADHD: a network meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 12(1), 32–43.

Karasavva, V. et al. (2025). Quality and accuracy of ADHD content on TikTok. PLOS ONE.

Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie – ÖGPB (2025). Konsensus-Statement ADHS im Erwachsenenalter (Vanicek, Höflich, Unterholzner, Rujescu, Kasper).

Gesundheitsportal Österreich (o. J.). ADHS bei Erwachsenen. gesundheit.gv.at.

Österreichische Ärztezeitung (2024). ADHS und ADS: Hohe Persistenzrate.

World Health Organization. Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS-v1.1).

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